Philip Oprong Spenner zu Gast in St. Bernard

Lesung aus seinem Buch „Move on up: Ich kam aus dem Elend und lernte zu leben“ am 4. September in der Gemeinde St. Bernard. 

Vergebung, Dankbarkeit, Mut und Zuversicht als Lebenseinstellung und Bildung als Tor zur Welt waren Grundpfeiler im Leben von Philip Oprong Spenner, der in Kenia geboren wurde. Darauf aufbauend fand er aus dem Elend seiner Kindheit und Jugend heraus. Er vergab seiner Tante, bei der er als Waise aufwuchs, ihre harten Bestrafungen und war ihr sehr dankbar, da sie ihm den Schulbesuch einige Jahre ermöglichte. Das war in Kenia in seiner Kindheit nicht selbstverständlich, da jeder Schulbesuch Geld kostete. Er vergab ihr auch, dass sie ihn als Teenager in Nairobi aussetzte, wo er ein für uns unvorstellbar hartes Leben als Straßenkind führte. Essen mussten sich diese Kinder erbetteln, von der Müllhalde holen oder stehlen oder auch drei Tage hungern. Nächtliche Rattenattacken hinterließen blutige Wunden und bleibende Narben an den Fußsohlen. Aber glückliche Fügungen führten ihn aus dem Elend heraus.  Er wurde in ein Waisenhaus aufgenommen, wo er allerdings auch noch eine harte Zeit zu überstehen hatte: Der Schulbesuch, den er so ersehnte, wurde ihm lange Zeit verweigert. Aber letztendlich nahm sich eine junge Irin, die dort ehrenamtlich tätig war, seiner an. Sie gab ihm Privatunterricht und sorgte dafür, dass er die Schule besuchen durfte. Später vermittelte ihm eine Mitarbeiterin den Kontakt zu dem Hamburger Arzt Dr. Spenner, der zu einer Adoption bereit war. Er ließ Philip studieren, adoptierte ihn und holte ihn nach Hamburg, wo er heute als Lehrer arbeitet und eine Familie gegründet hat. 

Dass Philip Oprong Spenner in all dem Elend nicht den Mut verloren hat und immer wieder Zuversicht schöpfte, dazu hat sicher seine intensive Bibellektüre beigetraten. Die Bibel, die in Kenia kostenlos an alle Haushalte verteilt wurde, war das einzige Buch im Haus der Tante. Mit der Bibel lernte er lesen. Er vertiefte sich in die einzelnen Geschichten, da er sie aufmerksam und wiederholt las. Und in der Bibel fand er viele Texte, die Mut und Zuversicht machen können, wie die Erzählung von David und Goliath. 

Aus Dankbarkeit für all die Hilfe in der Not, die er erhalten hat, gründete er den Verein Kanduyi Children e.V. (www.kanduyi-children.org). Der Verein hat das Ziel, bedürftigen Kindern in Kenia Bildung zu ermöglichen. 

Dieser Lebenslauf fesselte uns Zuhörer nicht nur vom Inhalt her, sondern auch aufgrund der sehr lebendigen Darstellung. Philip Oprong Spenner stimmte uns auf den Abend ein, indem er mit uns zusammen ein mit Gesten begleitetes Lied in der Langì-Sprache sang. Es war ein Kinderlied mit der Botschaft: Wir gehören zusammen.  Zudem sang er zwei Lieder auf Luganda mit der Botschaft, durchzuhalten, den Mut nicht zu verlieren und die Hoffnung nicht aufzugeben. Im Anschluss an die Diskussion beteten wir zusammen das „Vater unser“ und Pastor Wichert segnete uns zum Abschied. 

Dr. Inge Blatt